Warum Oxytocin für erfüllten Sex und eine Partnerschaft wichtig ist

Zum wissenschaftlichen Hintergrund einiger weiterer Tipps und Übungen machen wir noch einmal ein Ausflug in die Welt der Biochemie. Über Dopamin, Seretonin und einige andere Hormone, die durch Sex, aber auch durch Pornos ausgeschüttet werden, habe ich schon in Kapitel 3 berichtet. Hier geht es um das Hormon Oxytocin. Dieses Hormon, das auch Beziehungs- oder Kuschelhormon genannt wird, setzt rauschartige Gefühle frei. Das ist kein Zufall, denn bei der Freisetzung dieses Botenstoffes für Glücksgefühle werden im Gehirn die gleichen Rezeptoren angesprochen, wie es z.B. beim Konsum von Opium der Fall ist. Oxytocin ist ein Hormon, das vor allem durch sinnliche Hautkontakte, Küssen und körperlich-sexuelle Erlebnisse ausgeschüttet wird. Es stellt unter anderem sicher, dass wir soziale Kontakte und Partnerschaft als angenehm empfinden und Vertrauen gewinnen in andere Menschen. Seine besondere Wirkung entfaltet Oxytocin indem es auf die sog. Amygdala (Mandelkern) wirkt. Die in den Schläfenlappen des Gehirns liegende (zweigeteilte) Amygdala wird als Angstzentrum bezeichnet: dort werden Angst und Stress(reaktionen) gesteuert. Ist es etwas zerstört , wie in einigen wissenschaftlichen Tests nachgewiesen, so ist derjenige emotionslos und auch ohne Furcht. Er zeigt aber auch kein aggressives oder defensives Verhalten und kein Interesse an anderen, was in die soziale Isolation führt.

paarIst umgekehrt dieser Bereich des Gehirns überaktiviert, so verspürt der Betroffene ein Gefühl der Angst, Unsicherheit und Nervosität. Auch soziale Ängste und Kontaktstörungen sowie Angst vor Intimität beruhen auf einer erhöhten Tatigkeit des Mandelkerns im Gehirn. Erhöhte Amygdalawerte können interessanterweise schon durch sanfte Streicheleinheiten oder Ganzkörper-Massagen beseitigt werden. Die sanften Berührungen führen nämlich zu beruhigenden Oxytocin-Hormonauszuschütten. Studien der Universität von Kalifornien in Los Angeles belegen, dass Oxytocin zudem eine bedeutsame Rolle in der Überwindung von Angst und Stress-Situationen spielt. Eine gezielte Oxytocin-Ausschüttung wirkt auf das Angstzentrum (Amygdala) und dämpft die Angstreaktion. Auch zeigte sich, dass bereits ausgeschüttetes Oxytocin die weitere vermehrte Ausschüttung fördert. Oxytocin ist also auch ein Anti-Angst Hormon.
Das Glückshormon vernebelt scheinbar das Gedächtnis, so dass man sich z.B. an negative oder schmerzhafte Erfahrungen weniger erinnert. Doch bestimmte Angstreaktionen funktionieren zum Glück trotzdem. Der US-amerikanische Psychologe und Neurowissenschaftler Joseph LeDoux drückte es so aus: „Sobald man sich in Gefahr befindet, reagiert man schon. Die Evolution denkt für dich."

  • Hier einige der Wirkungen von Oxytoxin:
  • Oxytocin stabilisiert Beziehungen und stärkt die emotionale Bindung
  • Es stärkt ein positives soziales Verhalten
  • Es löst fürsorgliches Verhalten aus
  • Es hat einen stimulierenden positiven Effekt auf das Sexualverhalten
  • Oxytocin fördert die sexuelle Zufriedenheit
  • Es verbessert die Orgasmusqualität
  • Es erhöht die Spermienbeweglichkeit
  • Oxytocin ist angstlösend, wirkt beruhigend
  • Es schafft einen Antistress-Effekt
  • Oxytocin dämpft –stoppt- die Aktivität des Stresshormons Cortisol
  • Es unterstützt das Lernen
  • Es unterstützt die Wundheilung
  • Es macht schmerzunempfindlich
  • Oxytoxin aktiviert das Immunsystem

In der Sexualität spielt Oxytocin eine zentrale Rolle. Es wird bei Männern und auch bei Frauen bei Zärtlichkeiten, intensivem Körperkontakt und beim Geschlechtsverkehr im Gehirn freigesetzt und hat opiumartige Wirkungen (euphorisch und beruhigend). Hat man mehrmals Sex mit dem gleichen Partner dann kann das dazu führen, dass der Oxytocin-Spiegel allein schon beim Anblick des Partners (Konditionierungseffekt) steigt. Zu Recht wird das Hormon deshalb auch als „Langzeitklebstoff" für gute und erfüllte Beziehungen bezeichnet, das die Treue fördert. Tatsächlich ist die Signifikanz von Oxytocin für positives Fühlen und Handeln in zahlreichen wissenschaftlichen Studien bestätigt. Die beim Orgasmus, freigesetzten hohen Oxytocindosen bewirken (neben anderen entspannend wirkenden Hormonen) danach eine Phase der Entspannung und Müdigkeit. Dazu braucht es aber den (intensiven) Körperkontakt, deshalb wird bei virtuellem Sex kaum Oxytocin freigesetzt.

Aktivitäten, die die Oxytocin-Ausschüttung fördern:

  1. Sexualität mit Körperkontakt (je länger es dauert desto mehr Oxytocin)
  2. Streicheln und Kuscheln
  3. Sanfte und sinnliche Massagen
  4. Küssen, vor allem beim Zungenkuss steigt der Oxytocin-Gehalt
  5. Angenehme, beruhigende Musik
  6. Angenehme Wärme
  7. Gutes Essen, vor allem aphrodisierende Speisen (zu viel und zu schwer dämpft die Oxytocin-Produktion)
  8. Gewichtsreduktion (bei übergewichtigen Personen)

Warum aber bewirkt das Streicheln eine Ausschüttung von Oxytocin? Auch das wurde untersucht: Für Streicheleinheiten gibt es spezialisierte Nervenzellen in der Haut. Ein sanftes Streicheln beruhigt, aktiviert die Oxytocin-Produktion und kann sogar Schmerzen lindern und es fühlt sich einfach gut an. Schwedische Forscher entdeckten, warum das so ist:
Die Haut ist von speziellen „Streichelnerven" durchzogen das sind Nervenfasern, die gezielt auf langsame, gleitende sanfte Berührungen reagieren. Sie schicken ihre Signale über eine eigene nervliche Direktverbindung zum Gehirn, genauer gesagt in ein
Hirnareal, das für die Verarbeitung positiver Gefühle zuständig ist. Dieser Weg bleibt auch dann für die sanften Berührungen frei, wenn aus dem gleichen Hautareal andere Signale, wie z.B. Schmerz ans Gehirn gemeldet werden. Vermutlich ist das das Geheimnis hinter den wohltuenden Effekten von Streicheleinheiten und sanften Massagen, berichtet der Forschungsleiter Dr. Håkan Olausson von der Universität Göteburg.

Fassen wir die Ergebnisse einmal zusammen:

  1. Oxytocin wird durch sinnlichen (Ganz-)Körperkontakt freigesetzt. Dazu gehören Streicheln, Kuscheln, (Zungen-)küsse, sinnliche Massagen und Sex.
  2. Oxytocin baut Stress und Angst ab, entspannt und wirkt positiv auf das Sozialverhalten.
  3. Pornokonsum oder rein genitaler Sex erzeugt nur wenig Oxytocin.

Was sind also die Konsequenzen aus diesen Untersuchungen zum Oxytocin-Spiegel und den Wirkungen? Wenn du gestresst oder ängstlich bist oder soziale Kontakte scheust ,
dann solltest du dich darum bemühen deinen Oxytocin-Spiegel zu erhöhen. Desgleichen, wenn es dir schwerfällt, wirkliche Intimität und eine emotionale Bindung an jemanden zuzulassen. Das bedeutet - neben den Tipps zur Ernährung - dass du dafür sorgen musst, genügend Hautkontakt zu bekommen – den allermeisten Singles und übrigens auch vielen Langzeit-Paaren fehlt nämlich Hautkontakt. Darüber hinaus wiederhole möglichst oft den Körperkontakt mit derselben Person, um eine emotionale Beziehung aufzubauen und – als Nebeneffekt – dich mehr entspannen zu können. Du musst also das Gegenteil von dem machen, was du bei Pornokonsum oder bei einer Prostituierten machst: viel sinnlicher und zärtlicher Körperkontakt und Fokus auf eine (oder wenige) Frauen. In den nächsten Abschnitten gebe ich ein paar konkrete Tipps, wie du deinen Oxytocinspiegel erhöhen kannst und außerdem ein besserer Liebhaber wirst.